Recycling-Öl aus Pressrückständen

Die nach der Pressung verbleibenden Oliventrester enthalten noch drei bis sechs Prozent Öl, das nicht mehr mittels mechanischer Prozesse aus dem Ölkuchen geholt werden kann. Die Ölmühle verkauft deshalb dieses «Abfallprodukt» zur weiteren Ausbeutung an dafür spezialisierte Unternehmen. Mit Lösungsmitteln - heute Hexan, seltener Trichloräthylen - holen sie den letzten Ölrest aus den Trestern, die dafür zuerst getrocknet werden müssen. Oftmals geschieht dies mit Direktbefeuerung, indem die nach der chemischen Extraktion anfallenden - kostenlosen - Rückstände verbrannt werden. Bei den jüngst in billigen Tresterölen nachgewiesenen Spuren der krebserregenden Substanz Benzpyren handelt es sich um nichts anderes als um Verbrennungsprodukte, die beim anschliessenden Raffinierungsprozess nicht ausreichend entfernt worden sind. Nach der Trocknung wird das vorgewärmte Lösungsmittel in die mit Trester gefüllten Behälter gespritzt. Die gewonnene Flüssigkeit, ein Gemisch aus Öl und Lösungsmittel, muss anschliessend destilliert werden; übrig bleibt rohes Oliventresteröl.

Damit die so gewonnene «Delikatesse» auf unsere Tafeln darf, muss sie wie native Öle von schlechter Qualität - sogenannte Lampant- oder Lampenöle - rektifiziert werden. Man neutralisiert die freien Fettsäuren unter Zuhilfenahme starker Basen, entseift sie mittels Heisswasser, entfärbt sie mit Hilfe oberflächenaktiver Tonerden und Aktivkohle und desodoriert sie dann durch Behandlung mit Heisswasserdampf bei 220 bis 280 °C unter Vakuum. Das Öl ist praktisch färb-, geruch- und geschmacklos. An seine Herkunft erinnern nur noch die im Olivenöl enthaltenen charakteristischen Fettsäuren.

War das Ausgangsprodukt Lampantöl, darf das nun gewonnene Elaborat als «Olivenöl» in den Handel kommen, wenn es mit einem gesetzlich nicht näher bestimmten Anteil nativen Öls - als Geschmacks- und Farbgeber - verschnitten worden ist.